Was ist Lungenfibrose?
15.07.2021

Eine Lungenfibrose wird auch Narbenlunge genannt – es handelt sich dabei jedoch um verschiedene Erkrankungen mit Gemeinsamkeiten. Da sie oft erst spät erkannt wird, kann die Ursache nicht immer ausfindig gemacht werden.

Wenn sich Bindegewebefasern in einem Organ vermehren, spricht man von einer Fibrose. Lungenfibrose ist ein Sammelbegriff, der mehr als 200 verschiedene Lungenerkrankungen umfasst. Einige davon treten nur sehr selten auf. Nur 3 bis 9 von 100.000 Einwohnern leiden unter einer sogenannten idiopathischen Lungenfibrose, für die es keine erkennbare Ursache gibt. Allen Lungenfibrosen ist gemeinsam, dass es zu chronischen Entzündungen des Lungenbindegewebes kommt, wobei auch die feinen Wände der Lungenbläschen betroffen sind. Dabei wird das entzündete Lungengewebe in Bindegewebe umgebaut – es kommt zu einer krankhaften Vermehrung des Bindegewebes zwischen den Lungenbläschen und den sie umgebenden Blutgefäßen, das dann verhärtet und vernarbt (fibrosiert).1

Erschwerte Sauerstoffaufnahme

Die Verhärtung und Vernarbung führt dazu, dass die Funktion eingeschränkt ist, der Sauerstoff schlechter in die Blutgefäße transportiert werden kann, sodass der Gasaustausch und die Sauerstoffaufnahme erschwert werden. Außerdem wird das Lungengewebe weniger dehnbar, es versteift. Dadurch braucht es mehr Kraft und Anstrengung, um die Lungen zu dehnen und zu atmen. Das Resultat ist eine schnelle, flache Atmung. Während bei einer COPD bzw. einem Lungenemphysem das Ausatmen erschwert ist, macht bei der Lungenfibrose das Einatmen Probleme.1

Anfangs ist die Atemnot nur bei Belastung spürbar. Mit fortschreitender Vernarbung und Gewebeversteifung ist das jedoch auch im Ruhezustand der Fall. Immer weniger funktionstüchtiges Lungengewebe steht für die Sauerstoffaufnahme zur Verfügung. Die Erkrankung macht sich durch Atemstörungen, Atemnot und trockenen Reizhusten ohne Auswurf bemerkbar, aber auch Abgeschlagenheit, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Gewichtsabnahme gehören zu den Symptomen. Im späteren Stadium treten Fieber, Zyanose sowie Trommelschlegelfinger – oft gemeinsam mit Uhrglasnägeln – auf.1 Bei einer Zyanose handelt es sich um eine bläuliche Verfärbung der Haut und Fingernägel aufgrund von Sauerstoffmangel. Bei Trommelschlegelfingern sind die Fingerkuppen aus demselben Grund verdickt, bei Uhrglasnägeln sind die Nägel kolbenförmig aufgetrieben.2

Nicht heilbar, aber verzögerbar

Lungenfibrosen werden oft lange Zeit nicht als solche erkannt bzw. verlaufen unauffällig. Hintergrund ist häufig eine chronische Entzündung. Eine Lungenfibrose kann aber viele verschiedene Ursachen haben – von Schadstoffen in der Atemluft über chronische Infektion, Rauchen und Systemerkrankungen wie die Sarkoidose (entzündliche Gewebeerkrankung) bis hin zu bestimmten Medikamenten. In vielen Fällen lässt sich der Auslöser schlussendlich nicht mehr festmachen.3 Lungenfibrose ist nicht heilbar, das Fortschreiten der Erkrankung kann jedoch verzögert und manchmal sogar gestoppt werden. Wichtig ist dabei, dass die Behandlung möglichst früh einsetzt.1 Sind die Auslöser bekannt, gilt es vor allem sie auszuschalten. Weiters kommt eine Medikamententherapie mit unter anderem Cortison und Immunsuppressiva zum Tragen. Sauerstofftherapie und Transplantation zählen zu den symptomatischen Behandlungsmethoden.3