Was ist das RS-Virus? 
16.05.2022

RS-Virus steht für Respiratorisches Synzytial-Virus. Es handelt sich dabei um den bei Säuglingen und Kleinkindern bis zwei Jahre häufigsten Auslöser von akuten Infektionen der unteren Atemwege.

Insbesondere in den ersten drei Lebensmonaten kommt es immer wieder zu schweren Verläufen. Sehr gefährdet sind Frühgeborene, Kinder mit chronischen Lungenerkrankungen wie bronchopulmonaler Dysplasie oder zystischer Fibrose oder angeborenen Herzfehlern mit vermehrter Lungendurchblutung.2 Fälle von Infektionen mit dem RS-Virus kommen gehäuft in den Winter- und Frühjahrsmonaten vor, vor allem zwischen November und April. Sie können grundsätzlich jeden treffen, ältere Kinder und Erwachsene zeigen jedoch meist nur leichte erkältungsähnliche Symptome. Bei Säuglingen und Kleinkindern greifen die Viren in vielen Fällen von den oberen auf die unteren Atemwege über – vor allem dann, wenn die Lungen nicht voll ausgereift oder durch andere Erkrankungen geschwächt sind. In ärmeren Ländern sind RSV-Infektionen nach der Malaria die zweithäufigste Todesursache im ersten Lebensjahr.1 

Hohe Ansteckungsgefahr 

Bis zum Ende des zweiten Lebensjahres haben fast alle Kinder mindestens eine RS-Virusinfektion durchgemacht. Eine langfristige Immunität besteht leider nicht – Reinfektionen sind bei Erwachsenen mit Kleinkindkontakt häufig.2 Rund ein Prozent davon wird im Krankenhaus behandelt. In den meisten Fällen wird die Erkrankung als solche nicht bemerkt und als Erkältung interpretiert. Der Erreger gehört zur selben Familie wie die Mumps- und Masernerreger und ist weltweit verbreitet. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion oder indirekt durch Körperkontakt mit Händen oder Gegenständen, auf denen das Virus sitzt. Von der Infektion bis zum Auftreten erster Symptome vergehen in der Regel zwei bis acht, im Durchschnitt fünf Tage. Infektiös sind Betroffene schon einen Tag nach der Ansteckung, also unter Umständen noch vor eigenen Symptomen. Auch wenn die Infektiosität nach einer Woche meistens abklingt, können Neugeborene, Frühgeborene und Menschen mit geschwächtem Immunsystem das RS-Virus auch noch nach Wochen ausscheiden. Eine Impfung gegen die Erkrankung gibt es nicht.1 

Harmlose bis schwerwiegende Folgen 

Wenn das Virus in Lungenzellen gelangt, verschmelzen benachbarte Zellen des Lungengewebes und sogenannte Synzytien, Riesenzellen mit mehreren Zellkernen, entstehen. Die Bronchien werden daraufhin von abgestorbenen Zellen, einwandernden Zellen des Immunsystems und Schleim verstopft. Im Laufe von vier bis acht Wochen regenerieren sich die geschädigten Lungenzellen jedoch wieder. Bei Säuglingen sind die Atemwege relativ eng, daher leiden sie unter stärkeren Symptomen als ältere Kinder oder Erwachsene. In manchen Fällen entstehen Entzündungen der kleinen Endäste des Bronchialbaumes, Lungenentzündungen und selten auch Atemaussetzer (Apnoen). Auch ein keuchhustenähnliches Krankheitsbild wird oft beobachtet.2  

Eine die Ursachen, also das Virus, bekämpfende Therapie gibt es nicht – nur die Symptome können gelindert werden. Die Ausbreitung des Virus kann durch Hygienemaßnahmen ähnlich jenen bei Influenza oder Covid-19 begrenzt werden, also Händewaschen, Kontaktvermeidung oder husten und niesen in die Armbeuge. Krankheitsfälle im Spital werden üblicherweise isoliert.2