Was steckt hinter BOS?
08.08.2022

BOS steht für Bronchiolitis obliberans Syndrom, eine entzündliche Erkrankung der kleinen und kleinsten Atemwege. 

Das Bronchiolitis obliterans-Syndrom ist die wichtigste langfristige Komplikation nach Lungentransplantation. Sie ist schuld daran, dass die Überlebensraten nach Lungentransplantationen unterhalb jener anderer Organtransplantationen liegt.2 Die kleinen Atemwege werden auch als membranöse oder respiratorische Bronchiolen bezeichnet. Durch deren Entzündungen kommt es zur Narbenbildung und in der Folge zu einem fortschreitenden Verschluss. Gleichzeitig zeigen die großen Atemwege häufig nur eine milde oder gar keine Beteiligung.1 

Häufig nach Lungentransplantationen 

Das BOS beginnt meist durch eine Verletzung des Bronchialepithels, der inneren Oberflächen. Diese Verletzung tritt vor allem im Rahmen von Lungentransplantationen als Abstoßungsreaktion oder nach Knochenmarks- oder Stammzelltransplantation als Graft-versus-Host-Disease (GvHD) auf. Auch Atemwegsinfektionen, vor allem durch Adenoviren oder Mykoplasmen, können Ursachen sein. Seltener führen das Einatmen von Giftstoffen, Stäuben oder Gasen zu einer BOS. Auch Arzneimittelnebenwirkungen, vaskuläre Kollagenosen – das sind Bindegewebserkrankungen –, chronische Aspirationen und andere können als Ursachen eines BOS in Betracht gezogen werden.1 

Diagnose mittels Biopsie 

Für den klinischen Verlauf hat die Ursache allerdings keine große Bedeutung. Wichtiger ist die Einteilung mach den typischen Gewebsveränderungen (Histologie), da die verschiedenen histologischen Typen oft gut mit dem klinischen Verlauf und den radiologischen Veränderungen sowie mit dem Ansprechen auf die Therapie korrelieren. Nach Lungentransplantationen ist ein BOS vor allem durch den Abfall der Einsekundenkapazität (FEV1) auffällig.1 Die FEV ist daher der wichtigste Parameter in der Diagnostik des BOS, er kann aber auch durch andere Lungenleiden wie Bronchitis oder Lungenentzündung verändert sein.2 Patient:innen werden daher genau auf ein BOS untersucht, damit es nicht zu einem Transplantatversagen kommt. Nimmt die Einsekundenkapazität immer weiter ab, muss häufig eine Lungenbiopsie erfolgen, mittels derer dann die chronische Abstoßungsreaktion, also die Bronchiolitis obliberans, diagnostiziert werden kann.1 

Verzögerung der Abstoßungsreaktion 

Um die Diagnostik zu verbessern, hat ein Forscherteam aus Hannover und Heidelberg bei 82 Lungentransplantierten eine bronchioalveoläre Lavage – eine Lungenspülung – durchgeführt und die darin befindlichen Proteine analysiert. Dabei gelang es ihnen, sieben Biomarker zu identifizieren, deren Muster mit einer Verringerung der BOS-freien Zeitspanne in Zusammenhang steht.2 

Auf diese Weise, so die Wissenschaftler:innen, sei es möglich, Patient:innen mit einem hohen Risiko für das Bronchiolitis obliterans-Syndrom frühzeitig zu identifizieren, also bereits dann, wenn der zerstörerische Prozess in ihrer Lunge noch nicht sehr weit fortgeschritten ist. Auch wenn eine ursächliche Behandlung des BOS noch nicht zur Verfügung steht, eröffnet das Monitoring dieser Biomarker die Möglichkeit, ein Fortschreiten der chronischen Abstoßungsreaktion durch Anpassung der immunsuppressiven Therapie zumindest zu verzögern.2