Sputum-Diagnostik: Was sagt der Auswurf über die Krankheit aus?
05.11.2021

Der Auswurf – fachsprachlich Sputum – von Lungenpatient*innen sagt den behandelnden Ärzt*innen viel über die Art und das Stadium der Erkrankung. Diese Untersuchungsmethode gehört daher oft zur Routine von Lungenfachärzt*innen.

Der Auswurf wird von Ärzt*innen meist als Sputum bezeichnet und bezeichnet das aus den Atemwegen abgehustete, ausgespuckte, schleimige Sekret. Es handelt sich dabei um eine Mischung aus Bronchialsekret und Speichel, die zu 95 % aus Wasser besteht. Der Rest setzt sich aus Zellen, Fremdkörpern, Proteinen und Mikroorganismen zusammen.1 Eine gewisse Menge Sputum wird immer gebildet und dient der Reinigung der Bronchien. Im Gegensatz zum Sputum, das aus den unteren Atemwegen abgesondert wird, stammt Speichel lediglich aus Mund und Rachen und hat keine diagnostische Bedeutung für Lungenärzt*innen.3

Wird die Bronchialschleimhaut oder das Lungengewebe durch inhalierte Schadstoffe oder Krankheitserreger geschädigt, erhöht sich die Sputummenge und die Zusammensetzung verändert sich. Aus diesem Grund ist der Auswurf ein wichtiger Hinweis für die Diagnose von Atemwegserkrankungen.1 Er wird entweder ohne optische Hilfsmittel (makroskopisch) oder mittels Mikroskops untersucht.2

Menge und Farbe

Die makroskopische Untersuchung gehört zu den Routineuntersuchungen jeder Lungenfachärztin und jedes Lungenfacharztes. Dabei werden Menge, Farbe und eventuelle Blutbeimengungen eruiert. Eine starke Mengenzunahme des Sputums und eine farbliche Änderung – insbesondere bei bakteriellen Superinfektionen mit gelblich-grüner Farbe infolge von Eiter – deuten zum Beispiel auf eine Infektion oder Bronchiektase, eine Ausweitung der Bronchien, hin. Blutbeimengungen können ein Hinweis auf eine Lungenembolie, Tuberkulose, einen Tumor, akute Bronchitis, Bronchiektasen oder Fremdkörperaspiration sein.2

Mikroskopische Untersuchung

In vielen Fällen reicht jedoch die rein makroskopische Untersuchung nicht aus – dann wird im Rahmen einer Sputumzytologie, einer zellbiologischen Untersuchung des Auswurfs, genauer geschaut.4 Mithilfe eines Mikroskops werden die Zellbestandteile im Sputum untersucht. Außerdem können sogenannte Zellkulturen angelegt werden, um den Erreger einer Entzündung zu identifizieren. Kulturen werden auch für zytologische (zellbiologische) Untersuchungen benötigt, mit denen dem Verdacht auf Tumoren nachgegangen wird. Außerdem dienen sie zur Beobachtung bestimmter Krankheitsbilder. Bei Lungenabszessen können damit elastische Fasern festgestellt werden, bei Asthma eine erhöhte Anzahl von spezialisierten weißen Blutkörperchen (eosinophile Granulozyten).2

Kann kein Sputum produziert werden, das für die Verlaufskontrolle oder Diagnose erforderlich wäre, kann von der Ärztin oder dem Arzt auch ein Abstrich aus dem Nasen-Rachen-Raum oder eine Bronchiallavage, eine Spülung der Bronchien, durchgeführt werden.5

Je nach Zusammensetzung werden verschiedene Arten von Sputum unterschieden:3

Sputum coctum

eitrig-schleimig

Sputum croceum

eitrig-gelb

Sputum crudum

zäh-glasig

Sputum cruentum

rötlich (blutig); Erdbeergeleesputum

Sputum fibrinosum

zäh-klebrig

Sputum foetidum

faulig-eitrig

Sputum undum petens

geschichtet

Sputum globosum 

mit linsenförmig angeordnetem Eiter

Sputum nummulare

mit schleimumhülltem linsenförmigem Eiter

Sputum pituitosum

dünnflüssig, schleimig

Sputum putridum

eitrig

Sputum rubiginosum

rostbraun

Sputum sanguinolentum

blutig