Wie gut unterstützt Sie Ihr Notfallspray dabei, während der Pollenzeit mit Ihrem Asthma zurechtzukommen?

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Das sagt der Experte: Univ.-Prof. Dr. Idzko über Asthma

23.04.2026

Wenn es um die Behandlung komplexer Lungenerkrankungen geht, gehört Univ.-Prof. Dr. Marco Idzko zu den profilierten Experten der Pneumologie. Als Leiter der Klinischen Abteilung für Pulmologie an der Medizinischen Universität Wien am Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien verbindet er klinische Versorgung mit wissenschaftlicher Forschung und interdisziplinärer Zusammenarbeit.

Im folgenden Interview beantwortet Dr. Idzko die Fragen aus der Mehr Luft Community über Asthma.

Gibt es Anzeichen, wenn sich Asthma verschlechtert, und wenn ja, kann ich selber dagegen steuern?

Die meisten Asthmatiker:innen sind mit ihrer aktuellen Therapie sehr gut kontrolliert. Das bedeutet, sie sollten symptomfrei sein. Wenn ein:e Asthmatiker:in Symptome entwickelt, ist das ein Zeichen dafür, dass die aktuelle anti-entzündliche Therapie nicht ausreicht. In diesem Fall sollte ein Termin bei der niedergelassenen Pneumologin bzw. beim niedergelassenen Pneumologen vereinbart werden, damit die Therapie optimiert werden kann.

Für die Allergiesaison mit Asthma: Auf welche Dos and Don’ts für mehr Luft kann ich jetzt achten?

Beim allergischen Asthma ist es wichtig, die Allergenkarenz so gut wie möglich einzuhalten. In der Allergiesaison ist das schwierig.

Was man vorher machen könnte, ist zum Beispiel zwei bis drei Wochen vor Beginn der Allergiesaison ein Antihistaminikum einzunehmen, um die allergische Entzündungsreaktion etwas zu reduzieren. Wichtig ist außerdem, sich nicht zu stark den Pollen auszusetzen. Wenn man Pollenallergiker:in ist, sollte man nicht unbedingt über eine blühende Wiese joggen. Das heißt nicht, dass man auf Sport verzichten soll – aber man sollte ihn an die aktuelle Exposition anpassen.

Ganz wichtig: Sobald Symptome auftreten, zusätzlich den Spray benutzen. Dabei sollte es sich um eine Kombination aus einem anti-entzündlichen Präparat (inhalatives Glukokortikoid) und einem Beta-2-Sympathomimetikum (bronchienerweiternd) handeln, zum Beispiel mit Formoterol. Eine reine SABA-Monotherapie (nur kurzwirksame Bronchienerweiterung) ist beim Asthma nicht mehr empfohlen.

Was ist das Wichtigste, damit ich mit Asthma trotzdem gut damit leben kann?

Asthma ist eine Erkrankung, bei der wir durchaus eine Remission sehen können – gerade beim kindlichen oder allergischen Asthma. Ich bin selbst das beste Beispiel: Ich war als Kind ein schwerer allergischer Asthmatiker und bin seit 25 Jahren symptom- und therapiefrei. Das betrifft über 95 % der Asthmatiker:innen.

Wie viel Therapie muss im Urlaub unbedingt sein?

Bei Asthmatiker:innen mit Pollenallergie, die zum Beispiel an die Nordsee fahren, wissen wir, dass dort meist eine geringere Exposition besteht. Deshalb unterscheiden wir zwischen einer „as-needed“-Therapie und einer Dauertherapie und versuchen, dass Asthmatiker:innen so wenig Medikamente wie möglich benötigen.

Bringt mir die Notfallmedikation wirklich etwas? Oder anders gefragt: Wann brauche ich bei COPD oder Asthma Notfallmedikamente?

Beim leichten Asthma brauchen wir eben keine klassische Dauertherapie mehr, sondern eine Bedarfstherapie („as needed“). Wichtig ist, dass diese Bedarfstherapie eine anti-entzündliche Komponente enthält, also ein inhalatives Glukokortikoid plus ein Beta-2-Sympathomimetikum (bronchienerweiternd) – zum Beispiel Formoterol, ein schnell- und gleichzeitig wirksames, langwirksames Beta-2-Sympathomimetikum. Das ist die Basis. Ein Großteil der Asthmatiker:innen nutzt diese Therapie nur bei Bedarf.

Gibt es typische Fehler bei der Inhalation?

Etwa 80 % der Patient:innen inhalieren falsch. Das Wichtigste ist, dass Ärzt:innen die Inhalationstechnik regelmäßig überprüfen. Typische Fehler sind zum Beispiel, dass vor der Inhalation nicht vollständig ausgeatmet wird, Patient:innen beim Dosieraerosol zu früh drücken oder zu schnell einatmen oder beim Pulverinhalator nicht kräftig genug einatmen. Die Inhalation ist eine Kunst für sich.

Wann und wie oft brauche ich eine Spirometrie?

Beim Asthma gilt: Ist die Erkrankung gut kontrolliert, ist eine monatliche Lungenfunktion nicht notwendig. Die Lungenfunktion führen wir bei Diagnosestellung durch und etwa einen Monat nach Therapiebeginn zur Kontrolle. Danach reicht in der Regel eine Kontrolle alle drei Monate.

Ich habe seit vielen Jahren Asthma und jetzt auch noch COPD. Was ändert sich für mich bei der Therapie?

Asthma wird primär mit inhalativem Glukokortikoid und Beta-2-Sympathomimetikum behandelt. COPD wird primär mit Anticholinergika behandelt, allein oder in Kombination mit LABA. Wenn sich zusätzlich eine COPD entwickelt, kann eine Triple-Therapie notwendig werden – entweder in einem Inhalator oder in zwei getrennten Inhalatoren.

Mir fällt auf, dass ich immer öfter außer Atem bin. Soll ich eine Sportpause einlegen?

Zunächst muss geklärt werden, welche chronische Erkrankung vorliegt. Ein:e gut eingestellte:r Asthmatiker:in kann grundsätzlich auch einen Marathon laufen. Wenn beim Sport Beschwerden auftreten, sollte die Therapie überprüft werden.

 

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Erschienen am 03.09.2025 Foto © Shutterstock