Das Mikrobiom der Lunge und seine Bedeutung

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Das Mikrobiom der Lunge und seine Bedeutung

Lange dachte man, die Lunge sei steril. Doch sie hat – genauso wie Darm oder Haut – eine natürliche Bakterienflora. Deren Zusammensetzung könnte bei Lungenerkrankungen von Bedeutung sein, zeigen aktuelle Forschungsergebnisse.

Die Lungenflora: Das Mikrobiom der Lunge

Unsere Darmflora und die Bakterien der Haut sind schon sehr lange bekannt. Eine Vielzahl von Keimen lebt dort und bildet eine natürliche Gemeinschaft miteinander und mit dem Menschen. Die Gesamtheit dieser Bakterien und Pilze nennt man auch Mikrobiom.

Über Jahrzehnte lernten Medizinstudenten, dass die Lunge steril ist. Das hat sich erst im Jahr 2011 als falsch erwiesen. Denn auch die Lunge hat ein Mikrobiom. Doch hat diese Mikroflora auch eine Funktion, ähnlich wie bei der Darmflora? Immerhin stellte sich bei der Darmflora in den letzten Jahrzehnten heraus, dass deren Zusammensetzung viel größeren Einfluss auf den gesamten Körper und die Entstehung von Krankheiten (Reizdarm, Allergien, Depressionen und sogar Krebs) hat, als man früher dachte.

Verändertes Lungenmikrobiom bei Lungenerkrankungen

Die Zusammensetzung der Mikroflora weist bei Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen zum Teil deutliche Unterschiede zu Gesunden auf. Forscher untersuchen nun, ob dies eine Begleiterscheinung oder eine mögliche Ursache der Erkrankung ist.

Bei COPD zeigen erste Daten, dass die Zusammensetzung der Lungenflora mit Exazerbationen (akuten Verschlechterungen) zusammenhängt. Möglicherweise wird die Lunge dadurch anfälliger für Infekte, die oft die Ursache für eine Exazerbation sind. Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums in München konnten zeigen: Bei strukturellen Veränderungen in der Lunge (mittels Computertomographie nachgewiesen) ist bei COPD auch das Mikrobiom verändert. Es sind mehr Streptokokken zu finden (zu dieser Gattung gehören viele krankmachende Vertreter), dafür weniger „gute“ Bakterien, wie die probiotische Gattung Prevotella. Vielleicht ist das Mikrobiom der Lunge also tatsächlich einer der Faktoren, die Entstehung und Verlauf der COPD beeinflussen.

Die Entdeckung des Lungenmikrobioms ist erst einige Jahre her. Forscher arbeiten deshalb im Moment noch intensiv daran, die Interaktionen zwischen Lunge, Mikrobiom und Krankheitserregern genauer zu untersuchen. Zudem scheint es auch eine Wechselwirkung zwischen Darmflora und Lungenflora zu geben. Ergebnisse dieser Forschung können in Zukunft möglicherweise spannende Ansätze für individuelle Therapien liefern.

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