Achtung: Auch Lebensmittel können Wechselwirkungen verursachen!
02.05.2021

Es sind nicht immer nur Medikamente, die sich „nicht vertragen“. Manchmal können auch die Inhaltsstoffe unserer Nahrung Probleme verursachen.

Unter einer Wechselwirkung versteht man eine wechselseitige Beeinflussung oder ein Aufeinanderwirken von verschiedenen Faktoren. Aus der Pharmazie sind Wechselwirkungen von Medikamenten bekannt, deren Wirkstoffe interagieren. Mitunter sind es jedoch unerwartete Faktoren, die aufeinander wirken – solche, an die im Alltag gar kein Gedanke verschwendet wird. Dabei können diese Wechselwirkungen zum echten Problem werden.

Die Tabletten mit dem Frühstückskaffee runterspülen? Mit dem täglichen Glas Grapefruitsaft? Bittere Pillen mit fettem Schweinsbraten? Vorsicht! Lebensmittel und Medikamente können ebenfalls nicht gut zusammen wirken und die Wirkung von Arzneistoffen erhöhen oder reduzieren.

Hier einige Beispiele:1

  • Milch und Milchprodukte enthalten Kalzium, das im Magen schwerlösliche Verbindungen mit manchen Arzneimitteln eingehen kann. Die Folge ist eine schlechtere Aufnahme in den Körper und eine schwächere Wirkung. Manche Antibiotika, Osteoporosemittel und Schilddrüsenhormone sind davon betroffen. Vorsicht: In Orangensaft, Brot oder Mineralwasser kann künstlich Kalzium zugesetzt sein – mit demselben Effekt.2
  • Schwarz-, Grüntee und Kaffee enthalten Gerbstoffe, die Arzneistoffe an sich binden und die Aufnahme im Körper behindern können. Eisentabletten und bestimmte Antidepressiva sollten daher nicht mit Kaffee oder Tee eingenommen werden. Kaffee kann außerdem die Wirkung mancher Medikamente intensivieren und Arzneimittel können die Koffeinwirkung verstärken.2
  • Ballaststoffe sind in Obst, Gemüse, Vollkorngetreide und Hülsenfrüchten reichlich vorhanden. Manche Arzneimittel binden sich an die Pflanzenfasern und werden dadurch schlechter aufgenommen – insbesondere, wenn Weizen-, Haferkleie, Lein- oder Flohsamen regelmäßig gegessen werden.
  • Die Leber filtert unerwünschte Substanzen aus der Nahrung – auch aus Medikamenten. Ist sie jedoch mit der Verdauung reichhaltiger, fetter Nahrung beschäftigt, können manche Medikamente der Leberkontrolle entgehen und stärker wirken. Das trifft etwa für den Betablocker Propranolol oder manche Blutdrucksenker zu.
  • Grapefruit hemmt den Abbau zahlreicher Medikamente, die über die Leber verstoffwechselt werden, sodass sie stärker wirken. Das kann bei Immunsuppressiva, Blutdruck- und Cholesterinsenkern oder Blutverdünnern gefährlich werden. Auch gemischte Fruchtsäfte können diesen Effekt haben. Die Kombination mit Mitteln gegen Sodbrennen ist ebenfalls heikel.
  • Alkohol kann sowohl den Abbau von Wirkstoffen hemmen als auch beschleunigen, sodass die Arzneimittel stärker oder schlechter wirken. Negative Effekte hat er zum Beispiel beim Fiebersenker Paracetamol, bei beruhigenden und schlaffördernden Arzneien, Schmerzmitteln oder Diabetesmitteln.
  • Grünes Gemüse wie Spinat, Brokkoli oder Kohlsprossen enthalten Vitamin K. Sie können die Wirkung von Gerinnungshemmern/Blutverdünnern abschwächen.
  • Gereifte Lebensmittel wie Käse, Salami, Bier, Wein oder eingelegte Heringe enthalten Tyramin, das normalerweise durch das Enzym Monoaminoxidase (MAO) abgebaut wird. Sogenannte MAO-Hemmer unterdrücken den Tyramin-Abbau, was mit Kopfschmerzen, Bluthochdruck und schneller Atmung einhergehen kann.
  • Ingwer und Knoblauch sollten nicht in großen Mengen zusammen mit Blutverdünnern konsumiert werden. Ihre Inhaltsstoffe können die Gefahr von Blutungen erhöhen.
  • Proteinreiche Lebensmittel können die Aufnahme von Betablockern verstärken und jene von Parkinson-Medikamenten abschwächen.2

Im Zweifelsfall sollten Medikamente stets mit Wasser eingenommen werden. Bei den genannten Lebensmitteln empfiehlt sich ein zeitlicher Abstand zur Medikamenteneinnahme.

Unser Tipp: Nehmen Sie jeden Hinweis Ihres Apothekers oder Ihres Arztes ernst und notieren Sie sich im Notfall besonders problematische „Paare“. Im Zweifelsfall fragen Sie nach!