Tabakerhitzer – der Weg zum Rauchstopp?
31.07.2022

Lungenpatient:innen haben oftmals ein zentrales Thema, das sie vor schier unbewältigbare Herausforderungen stellt: den Rauchstopp. Seit einiger Zeit gelten „Heets“, Tabakerhitzer, als nützlicher Weg zum Ziel. Doch stimmt das überhaupt? 

Seit einigen Jahren bringen Tabakkonzerne Tabakerhitzer auf den Markt, die als weniger gesundheitsschädlich als Zigaretten beworben werden. Zu Schadstoffen des Aerosols und zu möglichen Gesundheitsgefahren liegen derzeit jedoch vor allem Studien der Hersteller vor, die wegen des bestehenden Interessenkonflikts kritisch betrachtet werden müssen, und nur wenige unabhängige Untersuchungen. De facto ist die Gesundheitsgefährdung durch Heets bei langfristigem Konsum nicht abschätzbar, da die Produkte zu neu auf dem Markt sind und geeignete Langzeitstudien fehlen. Bei Personen, die von Zigaretten auf Heets umgestiegen sind, wurden jedoch geringere Schadstoffkonzentrationen in der Lunge festgestellt als bei konventionellen Rauchern.1 

Leider nicht harmlos 

Das Aerosol enthält jedoch Substanzen, die im Tabakrauch nicht vorliegen, darunter auch mindestens eine schädliche. Auch wenn Konsument:innen einer geringeren Belastung ausgesetzt sind als beim Rauchen, bedeutet das nicht, dass die Schadstoffbelastung vernachlässigbar wäre. Zudem sind die langfristigen Schäden wie erwähnt derzeit nicht absehbar. Tabakerhitzer werden daher von Wissenschaftlern nicht als harmlose Lifestyle-Produkte eingestuft. Vermutlich ist die Schadstoffbelastung durch den Konsum der Produkte geringer als beim Rauchen von Zigaretten, aber höher als bei E-Zigaretten.2  

Da das Aerosol von Tabakerhitzern ähnliche Mengen Nikotin wie Tabakrauch enthält und Konsument:innen vergleichbare Nikotinmengen wie beim Rauchen aufnehmen, ist davon auszugehen, dass der Konsum der Produkte ein ähnliches Abhängigkeitspotenzial birgt wie das Rauchen. Aufgrund der begrenzten Nutzungszeit von Tabakerhitzern (sechs Minuten) nehmen Konsument:innen das Nikotin in einer recht kurzen Zeit auf, was einen Einfluss auf das Abhängigkeitspotenzial haben könnte.2 Unabhängige Wissenschaftler, die die Daten von Herstellerstudien erneut ausgewertet haben, kamen jedoch zu dem Ergebnis, dass Heets die Lunge und die Leber schädigen könnten. Tabakerhitzer sind also trotz der geringeren Schadstoffbelastung keineswegs harmlos – schon gar nicht für Lungenpatient:innen.1  

Kein einfacherer Rauchstopp 

Die Hoffnung, dass mit Heets der Rauchstopp einfacher werden können, bewahrheiten sich leider nicht. Tabakerhitzer enthalten zwar einige Schadstoffe in geringerer Konzentration als Zigaretten, trotzdem sind sie zum Rauchenaufhören nicht geeignet. Außerdem enthalten die Tabakerhitzern genauso viel Nikotin wie Zigaretten. Die Sucht würde sich also nur verlagern: von Zigaretten auf Tabakerhitzer. Daher werden Tabakerhitzer in den offiziellen deutschen Leitlinien zur Tabakentwöhnung auch nicht empfohlen. Für einen Rauchstopp kommen Betroffene wohl nicht um eine Verhaltensänderung herum, die trainiert werden muss. Das kostet Zeit und viel Willensstärke, lässt sich jedoch nicht umgehen.3