Hier sind „Chloramine“ im Spiel
Chlor wird eingesetzt, um Schwimmbadwasser zu desinfizieren. Kommt es jedoch mit Körpersekreten wie Urin, Speichel oder Schweiß in Kontakt, entstehen chemische Verbindungen – sogenannte Chloramine – die die Atemwege reizen können.1 Besonders hoch ist die Konzentration dieser Verbindungen in der Luftschicht über dem Wasser, und zwar in schlecht belüfteten Hallen mit mangelhafter Wasserqualität. Untersuchungen der Universität Louvain zeigten sogar, dass der Gehalt an Trichloraminen über Kinderbecken um 50 Prozent höher ist als über Erwachsenenbecken.2
Wer ist besonders gefährdet?Schwimmbadpersonal
Besonders stark betroffen sind diejenigen, die beruflich täglich in Hallenbädern arbeiten. So litten Schwimmleher:innen einer Untersuchung der Universität Utrecht nach zweieinhalb Mal häufiger an Entzündungen der Nasennebenhöhlen. Und wer dauerhaft am Beckenrand tätig ist, hatte siebenmal häufiger Atemnot bei körperlicher Belastung sowie dreimal so häufig Symptome einer chronischen Erkältung.1 Wer hingegen nicht direkt am Becken arbeitet – etwa im Eingangsbereich oder in der Gastronomie – zeigte keine erhöhten Atemwegsbeschwerden.1
Leistungsschwimmer:innen
Auch Hochleistungsschwimmer:innen zählen zu den Risikogruppen. Denn Experimente legen nahe, dass die dauerhafte Inhalation von Chlorverbindungen Asthmaschübe begünstigen kann. Leistungsschwimmen ist sogar die zweithäufigste Sportart, die mit einer erhöhten Häufigkeit von Asthmasymptomen in Verbindung gebracht wird. In einer weiteren Studie wiesen gleich zu Beginn der Untersuchung 44 Prozent der teilnehmenden Schwimmer:innen eine allergische Rhinitis auf und 35 Prozent eine neutrophile Atemwegsentzündung – beides Reaktionen, die auf das Ausgesetzt sein von Desinfektionsnebenprodukten zurückgeführt werden konnten. Das Tragen einer Nasenklammer zeigte dabei allerdings eine schützende Wirkung.3
Kinder
Frühere Studien zeigen, dass stark chlorierte Hallenbäder ein erhöhtes Risiko für Kinder unter zwei Jahren bergen, da ihre Lungen noch nicht vollständig entwickelt sind. Auch Kinder mit Allergien können eine Überempfindlichkeit gegenüber Chlor entwickeln – in manchen Fällen kann bereits stark nach Chlor riechende Luft einen Asthmaanfall auslösen.2 Schwedische Forschende der Universität Umeå stellten bei einer Untersuchung mit 57 Kinder fest, dass chlorhaltige Luft in Hallenbädern die Konzentration eines lungenschützenden Proteins in den Atemwegen senken kann. Gleichzeitig verschlechterte sich bei keinem der Teilnehmer:innen die Lungenfunktion messbar – weshalb die Wissenschaftler:innen auch keinen Grund sehen, Hallenbadbesuche für Kinder grundsätzlich zu meiden. Eine gute Belüftung der Schwimmhalle bleibt dennoch eine wichtige Schutzmaßnahme.4
Badegäste
Für gelegentliche Badegäste ist das Risiko nach aktuellem Forschungsstand überschaubar – schlichtweg weil sie sich seltener und kürzer in Hallenbädern aufhalten.1 Dennoch zeigen Daten des amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC), dass jährlich mehr als 4.500 Notaufnahmebesuche in den USA auf den Kontakt mit Poolchemikalien zurückführen sind. Die häufigsten Symptome sind Reizungen der Augen, der Nase und des Rachens sowie Atemwegsbeschwerden – sowohl nach kurzem als auch nach längerem Aufenthalt.3
Wie können wir uns schützen?
Die wichtigste Schutzmaßnahme ist eine gute Belüftung. Riecht es intensiv nach Chlor, ist das ein erstes Warnsignal – denn ein starker Geruch deutet auf eine erhöhte Konzentration von Chloraminen in der Luft hin.2 Als Alternative zu klassischen Chlorverfahren kommen in manchen Bädern bereits chlorfreie Desinfektionsmethoden zum Einsatz, etwa UV-Licht-basierte Verfahren.2 Menschen mit Asthma oder chronischen Atemwegserkrankungen sollten jedenfalls darauf achten, nur gut belüftete Bäder zu besuchen, die Qualität der Raumluft und Wasseraufbereitung im Blick behalten und bei Beschwerden ärztlichen Rat einholen.