Mehr als die Hälfte der Patient:innen mit chronischen Atemwegserkrankungen weiß nicht, woran eine akute Verschlechterung frühzeitig zu erkennen ist. Das zeigt eine aktuelle Umfrage mit knapp 2.000 Betroffenen – ein alarmierendes Ergebnis.
Mehr als die Hälfte der Patient:innen mit chronischen Atemwegserkrankungen weiß nicht, woran eine akute Verschlechterung frühzeitig zu erkennen ist. Das zeigt eine aktuelle Umfrage mit knapp 2.000 Betroffenen – ein alarmierendes Ergebnis.
53 % der Befragten gaben an, sich bei der Erkennung von Verschlechterungen unsicher zu sein oder die Anzeichen schlicht nicht zu kennen. Nur 47 % fühlten sich sicher. „Eine schnelle Reaktion auf Frühzeichen wäre in der Lage, Komplikationen zu vermeiden und die Lebensqualität erheblich zu verbessern", sagt Lungenexperte Univ.-Prof. Dr. Bernd Lamprcht dazu. Die Lücke zwischen diesem Potenzial und der gelebten Realität ist groß – und schließbar.
Akute Exazerbationen können die Lebensqualität rasch beeinträchtigen und Krankenhausaufenthalte nach sich ziehen. Patient:innen sollten die folgenden Warnsignale kennen und ernst nehmen:
Zunahme der Atemnot (Dyspnoe), besonders unter Belastung oder in Ruhe; vermehrter Husten und veränderte Schleimproduktion (Farbe, Konsistenz); Veränderungen der Atemfrequenz oder des Atemmusters; pfeifende Atmung (Giemen) bei der Ausatmung; ungewohnte Erschöpfung und Müdigkeit im Alltag; messbare Verschlechterung der Lungenfunktion (Peak-Flow, Spirometrie) sowie Entzündungszeichen wie Fieber oder erhöhter CRP-Wert.
Eine kontinuierliche Beobachtung der Symptome gehören unbedingt zum Krankheitsmanagement. Ein Peak-Flow-Abfall um mehr als 20 % gegenüber dem individuellen Bestwert beispielsweise, gilt als verlässlicher Hinweis auf eine bevorstehende Exazerbation – gerade bei Asthma. Symptomtagebücher, in denen Patient:innen Husten, Atemnot, Schlafqualität und Medikamenteneinnahme festhalten, ermöglichen es dem behandelnden Team, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und gezielt zu reagieren.
Jede:r Patient:in sollte einen individuellen Aktionsplan für Exazerbationen haben – mit klaren Anweisungen, wann die Medikation angepasst werden darf und ab wann ärztliche Hilfe notwendig ist. Bei Anzeichen einer Verschlechterung sollte eine Anpassung der Medikation erfolgen. Dazu gehört etwa die Verstärkung der Bronchodilatatoren (also der bronchienerweiternden Medikamente) und – besonders wichtig bei Asthma – die zusätzliche Verwendung von Kortikosteroiden, um entzündliche Prozesse zu beeinflussen.
Besonders bei COPD-Patient:innen kann eine rechtzeitige Intervention den Unterschied machen: so kann die Schwere der Exazerbation verringert und die Notwendigkeit für Notaufnahmen und stationäre Aufenthalte vermieden werden.
Gutes Exazerbationsmanagement ist Teamarbeit. Neben dem behandelnden Arzt oder der Ärztin tragen Atemphysiotherapeut:innen, Ernährungsberater:innen und Psycholog:innen wesentlich zur ganzheitlichen Betreuung bei. Die pneumologische Rehabilitation – ambulant oder stationär – bietet dabei eine strukturierte Möglichkeit, Schulungsinhalte aufzufrischen und multiprofessionelle Unterstützung zu erhalten.
Smartphone-Apps zur Symptomüberwachung, Sauerstoffsättigungsmessung und telemedizinische Konsultationen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Sie unterstützen Patient:innen dabei, Verschlechterungen früher zu erkennen.