Zigarre statt Zigarette?
30.08.2022

Zigarrenrauch enthält kaum weniger Schadstoffe als Zigarettenrauch. Trotzdem schwören viele, dass die Tatsache, dass Zigarrenrauch nicht inhaliert wird, einen großen Unterschied ausmache. Entsprechend wächst das Segment an Zigarren- gegenüber Zigarettenraucher:innen. Doch stimmt das so?

Auch Pfeifen gelten so wie Zigarren als „gesündere Alternative“ zu Zigaretten, werde doch der Rauch nicht inhaliert. Leider gehört dieses hartnäckige Gerücht in die Kategorie „wäre schön, ist aber falsch“. Mediziner:innen am New Yorker Presbyterian Hospital konnten nachweisen, dass weder Zigarren noch Pfeifen vor COPD schützen. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse der Untersuchung in der Zeitschrift Annals of Medicine.1 

Paffen statt Inhalieren 

Die Forscher:innen untersuchten 3.500 Menschen mit einem Lungenfunktionstest und befragten sie nach ihren aktuellen und früheren Rauchgewohnheiten. Diejenigen, die keine Zigaretten, dafür aber Pfeife oder Zigarren rauchten, hatten doppelt so oft Atemwegsstörungen wie Nichtraucher:innen. „Auch Rauch aus Pfeife und Zigarre geht mit einer Verschlechterung der Lungenfunktion einher, die der COPD entspricht“, bestätigte Studienautor Graham Barr. Höher als bei Nichtraucher:innen, jedoch niedriger als beim Zigarettenrauch lag allein der Wert des Nikotin-Abbauprodukts Cotinin, das man in Blutplasma, Urin, Haar oder Speichel nachweisen kann. Die Wissenschaftler:innen führen das auf die andere Form der Nikotinaufnahme – das „Paffen" statt des Inhalierens – zurück, während allerdings die Aussetzung an schädlichen Inhaltsstoffen gleich sein dürfte. „Sowohl Zigarre als auch Pfeife schädigen langfristig die Lunge, und Ärzte sollten beide Formen als Risikofaktoren für COPD erkennen“, sagt Barr.1 

Stetiges Wachstum 

Zum selben Ergebnis kamen auch andere Studien. Laut Schweizer Lungenliga zeigt sich ein stetiges Wachstum im Zigarren- und Zigarillomarkt, bei gleichzeitigem Rückgang der Zigarettenverkäufe. Die Toxizität beim Zigarrenrauchen sei vergleichbar mit jener des Zigarettenrauchens, da sie einerseits mit einer Nikotinabhängigkeit und andererseits durch eine erhöhte Belastung durch Nitrosamine einhergehe, heißt es in einem Informationsblatt dreier Forscher:innen der Klinik für Pneumologie des Universitätsspitals Zürich von 2018. Da beim Rauchen von Zigarren normalerweise nicht inhaliert, sondern gepafft wird, überwiegen Mundhöhlen-, Pharynx, und Larynxkarzinome gegenüber Lungenneoplasien.2 

„Zigarren enthalten mehr toxische und karzinogene Inhaltsstoffe als Zigaretten“, warnen die Forscher:innen. „Durch die Fermentation des in Zigarren enthaltenen Tabaks entstehen mehr krebserzeugende Nitrosamine. Zusätzlich ist der Gehalt an Teer pro konsumiertem Gramm Tabak höher. Der Zigarrenrauch enthält somit noch mehr toxische Inhaltsstoffe als Zigarettenrauch.“ Darüber hinaus ist die Passivrauchexposition bedeutsam, da Zigarren meist in Innenräumen konsumiert werden.2