Wie gut unterstützt Sie Ihr Notfallspray dabei, während der Pollenzeit mit Ihrem Asthma zurechtzukommen?

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Sie fragten, der Experte antwortet: Dr. Idzko über COPD

08.04.2026

Wenn es um die Behandlung komplexer Lungenerkrankungen geht, gehört Univ.-Prof. Dr. Marco Idzko zu den profilierten Experten der Pneumologie. Als Leiter der Klinischen Abteilung für Pulmologie an der Medizinische Universität Wien am Allgemeines Krankenhaus der Stadt Wien verbindet er klinische Versorgung mit wissenschaftlicher Forschung und interdisziplinärer Zusammenarbeit. Im folgenden Interview beantwortet Dr. Idzko die Fragen aus der Mehr Luft Community über die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD).

Meine COPD-Symptome haben sich trotz bisher gut wirkender Therapie verschlechtert. Woran kann das liegen?

Das Wichtige bei der COPD ist, dass eine Entzündungsreaktion besteht – es ist eine chronische Entzündung der Atemwege, die weiter fortschreitet. Mit den aktuellen Therapien können wir die Symptome der COPD mildern oder lindern, den Progress der Erkrankung aber nicht aufhalten.

Leider ist es so, dass die Erkrankung weiter fortschreiten kann – gerade, wenn jemand eine akute Verschlechterung hatte, eine sogenannte Exazerbation, und deswegen zum Beispiel Cortison nehmen musste. Wir wissen, dass Patient:innen danach häufig mit einer schlechteren Lungenfunktion wieder starten.

Wie viel Therapie muss im Urlaub unbedingt sein?

Unabhängig davon, ob Urlaub ist oder nicht, braucht der Patient dauerhaft seine bronchodilatatorische Therapie – gegebenenfalls plus inhalatives Glukokortikoid, abhängig von der Exazerbationsgeschichte.

Bringt mir die Notfallmedikation etwas? Oder anders gefragt: Wann brauche ich bei COPD oder Asthma Notfallmedikamente?

Beim COPD-Patienten verwenden wir als Notfallspray eine Kombination aus einem kurzwirksamen Beta-2-Sympathomimetikum (SABA) und einem kurzwirksamen Anticholinergikum (SAMA). Diese hilft im akuten Notfall, ist aber nicht so effektiv wie beim Asthma, da die Symptome bei COPD nie vollständig verschwinden.

Jetzt geht es mir gerade gut mit COPD. Kann ich mich auf eine mögliche Verschlechterung vorbereiten?

Wichtig ist, körperlich aktiv zu bleiben. Rehabilitationsmaßnahmen sind zentral. Wir empfehlen etwa 10.000 Schritte pro Tag, da wir wissen, dass Training und körperliche Aktivität sich positiv auf die COPD und das Exazerbationsrisiko auswirken.

Rauchverzicht ist entscheidend. Ebenso wichtig sind Impfungen im Winter – Pneumokokken, Influenza, RSV und COVID-19. Je nach Situation kann auch die Haemophilus-influenzae-Impfung sinnvoll sein.

Gibt es typische Fehler bei der Inhalation?

Etwa 80 % der Patient:innen inhalieren falsch. Das Wichtigste ist, dass Ärzt:innen die Inhalationstechnik regelmäßig überprüfen. Typische Fehler sind zum Beispiel, dass vor der Inhalation nicht vollständig ausgeatmet wird, Patient:innen beim Dosieraerosol zu früh drücken oder zu schnell einatmen oder beim Pulverinhalator nicht kräftig genug einatmen. Die Inhalation ist eine Kunst für sich.

Wann und wie oft brauche ich eine Spirometrie?

Wichtig ist zu wissen, dass sich die Therapie primär an der Symptomkontrolle orientiert, nicht ausschließlich an der Lungenfunktion. Bei COPD beurteilen wir regelmäßig die klinische Kontrolle und führen bei Bedarf eine Spirometrie durch. Die Lungenfunktion führen wir bei Diagnosestellung durch und etwa einen Monat nach Therapiebeginn zur Kontrolle. Danach reicht in der Regel eine Kontrolle alle drei Monate.

Ich habe seit vielen Jahren Asthma und jetzt auch noch COPD. Was ändert sich für mich bei der Therapie?

Asthma wird primär mit inhalativem Glukokortikoid und Beta-2-Sympathomimetikum behandelt. COPD wird primär mit Anticholinergika behandelt, allein oder in Kombination mit LABA. Wenn sich zusätzlich eine COPD entwickelt, kann eine Triple-Therapie notwendig werden – entweder in einem Inhalator oder in zwei getrennten Inhalatoren.

Mir fällt auf, dass ich immer öfter außer Atem bin. Soll ich eine Sportpause einlegen?

Zunächst muss geklärt werden, welche chronische Erkrankung vorliegt. Bei COPD hängt es vom Schweregrad ab – insbesondere davon, ob ein ausgeprägtes Lungenemphysem mit Diffusionsstörung vorliegt. In diesem Fall sollte vor intensiver Belastung eine Belastungsuntersuchung, zum Beispiel eine Spiroergometrie, durchgeführt werden, um zu prüfen, ob unter Belastung ein relevanter Sauerstoffabfall auftritt.