Reisen mit Langzeit­sauerstofftherapie
09.11.2021

Patient*innen, bei denen ein chronischer Sauerstoffmangel besteht, sind sehr häufig auf eine Langzeitsauerstofftherapie angewiesen. Diese schränkt den Alltag massiv ein. Auf Reisen müssen Patient*innen jedoch nicht unbedingt verzichten. 

Unter einer Langzeitsauerstofftherapie (englisch: long-term oxygen therapy, LTOT) versteht man die dauerhafte Gabe von Sauerstoff über mindestens 16 Stunden täglich. Bei chronischem Sauerstoffmangel (Hypoxämie) hat sich diese Behandlungsmethode bei einer Reihe von Lungenerkrankungen bewährt: etwa bei COPD, bei einem Lungenemphysem, Lungenfibrose, zystischer Fibrose oder wiederkehrenden Lungenembolien. Auch Herz- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen können eine LTOT erforderlich machen.1

LTOT-Patient*innen sind täglich 16 bis 24 Stunden mit einem Gerät verbunden, das Sauerstoff liefert. Das schränkt den Alltag, die Mobilität und Flexibilität enorm ein, selbst wenn verschiedene Geräte Erleichterung bringen. Es gibt stationäre Geräte für zu Hause, aber auch mobile, tragbare Sauerstoffgeräte. Mobile Geräte sind relativ klein und leicht und verschaffen Betroffenen deutlich mehr Bewegungsfreiheit.1 Damit ist selbst Reisen möglich.

Reisen mit Voraussicht

Eine mobile Sauerstofftherapie ermöglicht Mobilität in einem überschaubaren Rahmen. Erforderlich ist dafür vorab eine Blutgasanalyse und eine Überprüfung der Sauerstoffsättigung, um rasch reagieren zu können, wenn sie abfällt. Auf Reisen hilft dabei ein Pulsoximeter, auch wenn er die Blutgasanalyse nicht ersetzen kann. Zur Verfügung stehen folgende Sauerstoff-Versorgungsformen:4

  • Flüssig: spart Volumen, reicht 1 bis 2 Wochen, Mobilitätsrate bis zu 20 Stunden, 1 bis 9 kg
  • Konzentrator:
    • Stationär: keine Nachfüllung erforderlich, stromabhängig, 18 bis 30 kg
    • Mobil: Stromversorgung über Gleichstromquelle oder Akkus möglich, 4,5 bis 9 kg
    • Tragbar: Akkubetrieb, 0,8 bis 3,2 kg, Flussrate bis max. 4 Liter/Minute
  • Gasdruckflaschen: 2 bis 5 kg, Kapazität begrenzt auf bis zu 6 Stunden, ev. verlängerbar bis 18 Stunden, Homefill-Station auf Reisen ungeeignet, eher vom Hersteller neu befüllte Flaschen

Zusätzlich ist ein ausführliches Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt erforderlich, um potenzielle Probleme durch das Klima oder die Zeitverschiebung, die Medikamentenversorgung, das Notfallset, Kontaktadressen und medizinische Infrastruktur zu besprechen.4

Sonderfall Flugreise 

Selbst Flugreisen sind mit mobiler LTOT möglich. Für die Flugtauglichkeit ist eine bestimmte Sauerstoffsättigung erforderlich, doch auch andere Parameter müssen erfüllt sein. Vor einer geplanten Flugreise ist daher unbedingt eine gründliche Kontrolluntersuchung durch die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt nötig.2 In vielen Fällen wird ohnehin eine ärztliche Flugtauglichkeitsbescheinigung verlangt. Aus technisch-wirtschaftlichen Gründen herrscht in Flugzeugen bei Langstreckenflügen ein Luftdruck, der dem in einer Höhe von etwa 2.200 bis 2.400 Metern entspricht, ähnlich einem Aufenthalt im Hochgebirge. Hieraus resultiert ein Sauerstoffgehalt der Kabinenluft von minimal 15,1 %. Im Rahmen einer Flugtauglichkeitsbescheinigung wird die behandelnde Ärztin bzw. der behandelnde Arzt überprüfen, ob in diesem Fall genügend Sauerstoffsättigung gegeben ist.3

Zudem muss bei der Fluglinie ein entsprechender Antrag gestellt werden, denn nur Sauerstoffgeräte mit Zulassung der Federal Aviation Administration (FAA) sind gestattet. Die Akkulaufzeit muss dafür 150 Prozent der geplanten Flugzeit betragen. Verfügbar sind je nach Modell der mobilen Sauerstoffkonzentratoren Akkulaufzeiten zwischen einer und acht Stunden – abhängig von Atemfrequenz, gewählter Stufe und Leistungsaufnahme des Geräts. Grundsätzlich sind alle mobilen Konzentratoren zur Verwendung während Flugreisen geeignet. Ersatzakkus können ausgeliehen und mitgeführt werden. Flüssigsauerstoffgeräte dürfen hingegen im Flugzeug nicht mitgeführt werden – auch Druckgasflaschen können von der Fluglinie abgelehnt werden.3