Wie funktioniert Zelltherapie?
02.05.2022

Zellbasierte Verfahren – auch Zelltherapie genannt – sind ein moderner Ansatz zur Therapie von bisher unheilbaren Erkrankungen. Auch Lungenerkrankungen sind im Fokus der Forschung

Bei zellbasierten Verfahren handelt es sich um Therapieansätze, bei denen „neue“ Zellen in den Körper der Patientin oder des Patienten eingebracht werden, um eine Krankheit zu behandeln. Mithilfe zellbasierter Verfahren sollen untergegangene oder funktionsgestörte Zellen, Gewebe und Organe repariert, regeneriert oder ersetzt werden.1

Zu den zellbasierten Therapieverfahren gehören unter anderem:1

  • Die Transplantation von erwachsenen, ausdifferenzierten menschlichen Zellen, die entweder aus dem eigenen Körper oder dem einer Spenderin/eines Spenders gewonnen werden. 

  • Die Gabe von (genetisch) modifizierten menschlichen Zellen, die eine bestimmte, vom Organismus benötigte Substanz herstellen 

  • Die Gabe von nicht-menschlichen Zellen, die eine bestimmte, vom Organismus benötigte Substanz herstellen. Ein Beispiel ist die Behandlung von Diabetiker:innen mit insulinproduzierenden Zellen aus Schweinen. 

  • Die Transplantation von sogenannten Stammzellen, die entweder von der Patientin bzw. vom Patienten selbst (autolog) oder von einer/einem Spender:in (allogen) kommen 

Stammzelltherapie in aller Munde

Von den genannten Verfahren ist die Stammzelltherapie derzeit die bekannteste. Sie wurde bereits als vielversprechende Methode gefeiert, musste jedoch in letzter Zeit auch viel Kritik einstecken. Sie bleibt jedoch eine viel beforscht und potenziell zielführende Heilungsmethode für bisher nicht heilbare Erkrankungen wie Parkinson, Krebs oder Herzinfarkt.1 

Stammzellen sind Vorläuferzellen, aus denen sich die reifen, funktionsfähigen Zellen des Körpers entwickeln. Während sich embryonale Stammzellen zu sämtlichen Zelltypen des Organismus ausdifferenzieren können, bilden adulte Stammzellen nur ein bestimmtes Spektrum von Zellen – abhängig von ihrem Ausgangsgewebe.1 

Zellbasierte Verfahren bei Lungenerkrankungen 

Für die meisten chronischen Lungenerkrankungen wie Asthma, COPD, Lungenemphysem, Lungenfibrose oder Mukoviszidose gibt es bis heute keine heilende, sondern nur lindernde Therapien. Lungenerkrankungen gehen zudem meist mit einem Funktionsverlust und/oder dem Untergang von Lungengewebe einher. Mithilfe zellbasierter Verfahren soll dieses Gewebe regeneriert oder ersetzt werden – so der Ansatz der Forschung. Mögliche Nebenwirkungen bis hin zur Verschlechterung des Gesundheitszustands der Patient:innen verhindern bisher jedoch den entscheidenden Durchbruch. Zellbasierte Verfahren zur Therapie von Lungenerkrankungen befinden sich derzeit daher größtenteils noch in einem vorklinischen, experimentellen Stadium. Denn vor einer möglichen Anwendung am Menschen müssen Nebenwirkungen sicher ausgeschlossen oder zumindest bekannt sein.1 

Das Forschungsnetzwerk CARPuD erforscht neue Behandlungsmethoden für seltene Lungenerkrankungen, die auf Zellersatz basieren. CARPuD steht für „Cellular Approaches for Rare Pulmonary Diseases“, also „Zellbasierte Verfahren für seltene Lungenerkrankungen“. Kranke Zellen sollen durch gesunde patienteneigene ersetzt werden. Das Prinzip: Mittels einer Gewebeprobe wird eine ausgereifte Körperzelle gewonnen. Im Labor wird diese Zelle durch einen bestimmten Cocktail an Substanzen umprogrammiert zu einer Stammzelle, die sich jetzt wiederum in viele andere Körperzellen weiterentwickeln kann. Denkbar wären hierbei Nerven-, Leber- und Lungenzellen. Die neu programmierten Zellen sollen nicht nur Zelltherapien ermöglichen, sondern helfen auch bei der Ursachenforschung von seltenen Erkrankungen und bei der Wirkstoffforschung. Noch ist den Forscher:innen der Durchbruch nicht gelungen.2