Welchen Nutzen hat Luftionisation?
23.08.2022

Die Luftqualität in Innenräumen ist für Lungenpatient:innen ein zentrales Thema. Regelmäßiges Lüften, Regulierung der Luftfeuchtigkeit und Schadstofffilter sind Teil der Überlegungen und Maßnahmen. Doch was kann die Luftionisation wirklich? 

Durchschnittlich 300 Millionen Liter Luft inhaliert eine Lunge im Leben – das sind pro Tag im Schnitt 12.000 Liter veratmete Luft.1 Entsprechend wichtig ist gute Luft – im Freien und ganz speziell in Innenräumen, wo wir bis zu 80 Prozent unserer Zeit verbringen.3 Eine generell gute Raumluft und fixierte Grenzwerte gibt es jedoch nicht, denn jeder Mensch reagiert anders auf Schadstoffbelastungen.1 

Große und kleine Ionen 

Produzenten für gereinigte Innenraumluft werben mit Luftionisatoren. Als Ionen werden elektrisch geladenen Atome oder Moleküle bezeichnet, die durch Ionisation von ursprünglich neutralen Teilchen entstanden sind. Man unterscheidet positive Ionen (Elektronenmangel) und negative Ionen (Elektronenüberschuss). Die Konzentration kleiner negativer Luftionen beträgt in Großstädten zwischen 100 und 800 Ionen/cm³, während sie im Wald bei etwa 700 bis 2.000 Ionen/cm³ liegt. Sehr hohe Ionendichten können in der Nähe von Wasserfällen gemessen werden. So wurden an den Krimmler Wasserfällen Werte bis zu 70.000 negative Ionen/cm³ gefunden.4 

Ionisierte Luftmoleküle bilden rasch Cluster. Diese als Kleinionen bezeichneten Molekülverbände besitzen mit einer Ausbreitungsgeschwindigkeit von rund 2 cm/Sekunde eine recht hohe Beweglichkeit und können wahrscheinlich mit der Atemluft aufgenommen werden. Abhängig vom Grad der Luftverschmutzung treffen Kleinionen nach Sekunden bis Minuten auf größere Aerosolteilchen und geben ihre Ladung an diese ab. Hierdurch werden sie zu Großionen mit sehr geringer Beweglichkeit. Den Großionen wird geringe direkte Wirksamkeit zugeschrieben. Sie können aber Staubteilchen und andere Schadstoffe in die Atemwege transportieren.4 

Keine eindeutigen Ergebnisse 

Für die Verringerung der Ionenkonzentration der Innenluft gegenüber der Außenluft sind vor allem elektrostatische Felder wie Fernseher oder Teppiche bzw. Stäube und Partikel, etwa von Zigarettenrauch, verantwortlich. Künstliche Ionenquellen wie Ionengeneratoren, offenes Feuer oder Nebelbefeuchter bzw. natürliches Radongas (terrestrisch oder baustoffbedingt) sowie bestimmte Baumaterialien können dagegen die Luftionenkonzentration erhöhen.4 

In der Literatur ist erstaunlich wenig zu diesem Thema zu finden. Zusammenfassend geht die Tendenz der Forschungsarbeiten in die Richtung, dass „ein künstliches Angebot von negativen Kleinionen in gegenüber der freien Natur erhöhten Konzentrationen eher vorteilhafte Wirkungen innerhalb der physiologischen Bandbreite auslöst“, vor allem im Sinne einer unspezifischen Aktivierung.4 

Luftionisatoren sollen die Luft in Wohnräumen reinigen und elektrisch aufladen. Sie binden Staub, was für Asthmapatient:innen mit Hausstauballergie große Erleichterungen bringen soll. Auch die Arbeitsmedizin bestätigt den positiven Effekt auf das Wohlbefinden in Büroräumlichkeiten.5 Aufwendigen Laboruntersuchungen zufolge beeinflussen Ionisatoren durchaus die Funktion der Atemwege – eine Auswirkung auf die Lungenfunktion oder die Symptome von Asthmapatient:innen konnte in klinischen Studien jedoch bisher nicht bewiesen werden. Im Gegenteil: Es gibt Hinweise darauf, dass Luftionisation zu verstärktem nächtlichem Husten führt, was möglicherweise ein Resultat des Ozons ist. Das würde freilich gegen ihren Einsatz im Fall von Lungenerkrankungen sprechen.2