Tuberkulose – sie ist noch immer da!
17.08.2021

Während früher die als Schwindsucht bezeichnete Tuberkulose häufig tödlich endete, ist sie heute gut vermeidbar und therapierbar. Aus Österreich ist sie fast verschwunden, doch aufgrund von Migrantenströmen nicht zu vernachlässigen. Rechtzeitige Diagnose und effiziente Therapie halten sie in Schranken. 

Laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) sind weltweit schätzungsweise 1,7 Milliarden Menschen mit Tuberkulose (Tbc) infiziert, wobei 5 bis 15 % dieser Personen im Laufe ihres Lebens eine aktive Tbc entwickeln werden.2  Jährlich kommt es zu rund 10 Millionen Erkrankungen.4  Deutlich über 80 % der diagnostizierten Fälle können üblicherweise erfolgreich behandelt werden. Die Tuberkulose-Inzidenz sinkt mit einer Rate von etwa 2 % pro Jahr und die Sterblichkeitsrate mit etwa 3 % pro Jahr.2  Trotz aller Erfolge bleibt Tuberkulose neben HIV und Malaria eine der häufigsten Infektionskrankheiten.3 

Weit verbreitet 

Tuberkulose ist vor allem in von Armut geprägten, überfüllten und schlecht belüfteten Umgebungen verbreitet. Faktoren, die Tbc fördern, sind eine HIV-Infektion, Unterernährung, Tabakkonsum und Diabetes. Zu den gefährdeten Bevölkerungsgruppen gehören neben Kindern unter fünf Jahren Flüchtlinge, Migrant:innen, arme Stadtbewohner und inhaftierte Personen. Tbc ist vermeidbar und heilbar, doch der Großteil der Fälle wird nie diagnostiziert.2  Auslöser der Tuberkulose ist ein Bakterium, das per Tröpfcheninfektion insbesondere bei Kindern unter fünf Jahren Auslöser der pulmonalen – die Lunge betreffenden – Form ist. Die extrapulmonale Form tritt in 30 bis 40 % der Fälle auf, und zwar potenziell an vielen Stellen des Körpers. Kinder entwickeln in der Regel innerhalb eines Jahres nach der Infektion eine Tuberkulose, von ihnen geht dann meist die weitere Übertragung in der Bevölkerung aus. In vielen Fällen wird die Tuberkuloseerkrankung erst mit Verzögerung erkannt, da sie einer schweren, hartnäckigen Lungenentzündung ähnelt. Sprechen die Patient:innen jedoch schlecht auf Antibiotika an, sollte Tbc in Betracht gezogen werden.2  Zu den ersten Symptomen einer aktiven Lungentuberkulose gehören leichtes Fieber, Abgeschlagenheit und Husten, der über Wochen anhält. Bei schweren Verläufen kommt es später zu Husten mit Auswurf, Atemnot, Brustschmerzen und Gewichtsverlust. Unbehandelt kann die Tuberkulose der Lunge empfindlich schaden und sich über die Blutbahn auch auf andere Organe ausbreiten. Im Extremfall endet die Infektion tödlich.3 

Sie ist noch immer da

In Österreich ist das Vorkommen der Tuberkulose in den letzten Jahren auf unter 10 pro 100.000 Einwohner:innen gesunken, daher wird die Impfung insbesondere im Hinblick auf die hohe Nebenwirkungsrate nicht mehr empfohlen. Die HIV-Epidemie ist in vielen Ländern zum Motor der Tuberkuloseverbreitung geworden. Ein besonderes Problem stellt dabei das vermehrte Auftreten von multiresistenten oder superresistenten Infektionsformen der Tuberkulose dar. Bei rechtzeitiger Kombinationstherapie kann die Erkrankung trotzdem noch zumeist geheilt werden. Personen aus sozial benachteiligten Gruppen der Gesellschaft, aus Ländern mit höherer Tuberkuloserate oder jene mit einer dauerhaften Schwächung des Immunsystems unterliegen jedoch weiterhin einem höheren Tuberkulose-Erkrankungsrisiko.4