Schadstoffe am Arbeitsplatz

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Schadstoffe am Arbeitsplatz

Neben dem Rauchen spielen berufliche Schadstoffbelastungen eine wesentliche Rolle bei der Entstehung und dem Fortschreiten von Atemwegserkrankungen. Diese Belastungen können das Risiko für COPD und andere Lungenerkrankungen erhöhen.

Insbesondere regelmäßige Belastungen durch reizende Gase, beispielsweise im Bergbau oder am Bau, bei der Getreideverladung oder beim Schweißen, erhöhen das Risiko für Lungenerkrankungen. In vielen Branchen gibt es Arbeitsplätze, die die Lunge belasten, wie etwa Arbeiten mit Zement, Asphalt oder Cadmium, in der Landwirtschaft, Holz- oder Textilindustrie. Selbst wer dauerhaft Passivrauch oder Dieselmotorabgasen ausgesetzt ist, ist vermehrt gefährdet.1 Lungenfachärzte, die Patienten mit COPD behandeln, fragen daher oftmals nach den Belastungen am Arbeitsplatz. Zu den Stoffen, die häufig im Arbeitsumfeld auftreten und stark gesundheitsgefährdend sein können, zählen Ozon, Schwefeldioxid, Chlor, Ammoniak oder Stäube. Grundsätzlich gibt es Grenzwerte für Belastungen, die in der Grenzwerteverordnung (GKV) festgelegt sind. Sie müssen regelmäßig kontrolliert werden. Besteht der Verdacht, dass die Grenzwerte überschritten werden, schreitet das Arbeitsinspektorat ein.

Schadstoffmessungen umfassen zum Beispiel2

  • industrielle Lösungsmittel in der Atemluft
  • Schadstoffe bei der Polyesterverarbeitung, Lackierarbeiten etc.
  • Schweiß- bzw. Schneidrauche an Schweißarbeitsplätzen oder Plasmaanlagen
  • Staubmessungen (Holzstaub, Getreidemehlstaub, Leichtstaub etc.)
  • Analyse von Arbeitsstoffen auf ihre Inhaltsstoffe
  • Messungen von anorganischen Gasen wie Schwefeldioxid, Stickoxiden, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid etc.)
  • Innenraumluftanalytik

Besteht der Verdacht, dass eine Berufskrankheit vorliegt, also eine Erkrankung, die durch die Belastungen am Arbeitsplatz hervorgerufen wurde, wird das von Experten der gesetzlichen Unfallversicherung geprüft. Betroffene haben dann Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung. Im Jahr 2019 wurden 1.196 Berufskrankheiten Erwerbstätiger anerkannt, davon waren 103 bösartige Neubildungen der Lunge und 87 Erkrankungen der Atemwege und der Lunge durch chemische Stoffe, die gesundheitliche Beeinträchtigungen hervorrufen. Abgesehen von all jenen Berufskrankheiten, die laut Liste der AUVA anerkannt sind, können auch andere, neue Fälle als Berufskrankheit anerkannt werden.2

Allein die Diagnose einer Lungenerkrankung wie COPD ist noch kein zwingender Grund, einen Beruf aufzugeben. Oft reichen kleinere Maßnahmen aus, um den Arbeitsplatz den COPD-bedingten neuen Umständen anzupassen. Handelt es sich jedoch um eine Berufskrankheit und lassen sich die gesundheitlichen Belastungen nicht verhindern, müssen Arbeitsmediziner, Unfallversicherung und Lungenfacharzt hinzugezogen werden.

Generalklausel

§177 Abs. 2 ASVG besagt: Eine Krankheit, die ihrer Art nach nicht in der Liste enthalten ist, gilt als Berufskrankheit, wenn die Unfall-versicherung im konkreten Fall auf Grund gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse feststellt, dass diese Krankheit ausschließlich oder überwiegend durch die Verwendung schädigender Stoffe oder Strahlen bei einer vom/von der Versicherten ausgeübten Beschäftigung entstanden ist. Diese Feststellung bedarf zu ihrer Wirksamkeit der Zustimmung des Bundesministers für Gesundheit.

Quellen

 

Erschienen am 18.08.2020

Foto © Ingo Bartussek – stock.adobe.com

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