Lungenfunktions­kontrolle per App und Bluetooth
30.05.2022

Der Schutz bestimmter Patientengruppen, für die eine Sars-CoV-2-Infektion besonders gefährlich gewesen wäre, stand zu Beginn der Pandemie im Vordergrund. Zu diesen Gruppen zählen auch Menschen mit bestimmten Lungenerkrankungen wie etwa Asthma bronchiale oder chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung COPD.

Bei diesen Erkrankungen ist eine fortlaufende Versorgung und regelmäßige medizinische Kontrolle erforderlich – ein Umstand, der gerade in Pandemiezeiten oft schwierig war und nach wie vor häufig eingeschränkt ist. Daher hat ein Team der deutschen Universitätsmedizin Essen ein Programm zur telemedizinischen Überwachung der Lungenfunktion per Smartphone-App und Bluetooth-Spirometer entwickelt.  

Studiendesign

An der Studie nahmen 745 Patient*innen teil, die an Asthma, chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) oder anderen Lungenerkrankungen litten oder zuvor an COVID-19 erkrankt waren. Sie erhielten sogenannte Spirometer, mit denen sie das Lungen- und Atemvolumen messen konnten. Eine App, die die Studienteilnehmenden auf ihren Smartphones installierten, übertrug die Messergebnisse sowie weitere freiwillig einzugebende Daten wie Gewicht, Medikamenteneinnahme oder Ähnliches an die Studienzentren. Dort werteten Ärzt*innen die Ergebnisse aus. „Die Studie wurde zu Beginn der Sars-CoV-2-Pandemie aufgesetzt, um besonders vulnerablen Gruppen mit Lungenerkrankungen eine fortgesetzte Versorgung mittels Telemonitoring zu ermöglichen“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Christoph Schöbel, Leiter des Instituts für Schlaf- und Telemedizin an der Universitätsmedizin Essen und Vorsitzender der DGIM-Arbeitsgruppe Telemedizin, der die Studie mitverfasst hat. 

Ergebnisse

Insgesamt bewerteten die teilnehmenden Patient*innen das Programm zu 99 Prozent als positiv, 70 Prozent berichteten zudem, ihre Lebensqualität habe sich durch die Teilnahme an dem Programm verbessert. Auch die an der Studie beteiligten Ärzt*innen attestierten dem Programm einen hohen Nutzen. Positiv stach hervor, dass die Patient*innen deutlich mehr Spirometer-Messungen vornahmen, als in der Regelversorgung möglich gewesen wären. Durchschnittlich einmal im Monat übertrugen sie Messergebnisse über die App an die Studienzentren, wohingegen in der Regelversorgung – mit Messungen in der Praxis – meist nur eine Messung pro Quartal vorgenommen wird. „Dank der einfachen Datenübertragung per App lagen uns mehr Daten vor, die Aufschluss über die Lungenfunktion der Patientinnen und Patienten gaben. So können wir deutlich früher erkennen, wenn sich der Zustand einer Patientin oder eines Patienten verschlechtert und frühzeitig nötige Behandlungsschritte ergreifen“, sagt Schöbel. 

Quellen: 

  • Braun, M., Schmidt, O., Schultz, T. et al. Erfahrungen mit der digitalen Versorgung von Patienten mit chronischen und akuten Lungenerkrankungen während der SARS-CoV-2-Pandemie. Internist 63, 255–265 (2022). https://doi.org/10.1007/s00108-022-01266-3 

  • DGIMTalk der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM), 4. April 2022, online 

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Quellenangabe