Herzinfarkt und Lunge
15.06.2021

Herz und Lunge bilden im Körper eine funktionelle Einheit. Die Arbeit des einen bedingt die Funktion des anderen. Kommt eines der beiden Organe in Bedrängnis, leidet meist auch das andere.

Das Herz-Kreislauf-System versorgt Organe und Gewebe mit Sauerstoff und transportiert Abfallstoffe wie Kohlendioxid ab. Lungenkreislauf und Körperkreislauf bilden den Blutkreislauf und zirkulieren gleichzeitig. Die rechte Herzhälfte pumpt über den Lungenkreislauf das sauerstoffarme Blut aus dem Körperkreislauf zur Lunge und danach mit Sauerstoff angereichert wieder zurück zum Herzen. Anschließend gelangt das Blut durch die linke Herzhälfte in den Körperkreislauf, der alle weiteren Organe erreicht. Zurück im Herzen beginnen beide Kreisläufe wieder von vorne. Auf diese Art befördert das gesunde Herz zwischen 4 und 7 Liter Blut pro Minute durch den Körper eines Erwachsenen.1

Beim Lungenkreislauf wird das aus dem Körper zurückkommende, sauerstoffarme Blut zunächst im rechten Vorhof gesammelt. Von dort gelangt es in die rechte Herzkammer und wird durch die Pulmonalklappe in die Lungenarterie und schließlich zur Lunge gepumpt. Dort gibt das Blut das gesammelte Kohlendioxid ab und nimmt Sauerstoff auf. Danach strömt das mit Sauerstoff angereicherte Blut durch die Lungenvene in den linken Vorhof zurück zum Herzen.1

Lungenödem bei Herzversagen

Bei einem Herzinfarkt ist der Herzmuskel teilweise von der Sauerstoffversorgung abgeschnitten und kann nicht mehr ausreichend Sauerstoff durch den Körper transportieren. Die Kreislauffunktion wird unterbrochen. Im Fall einer akuten Herzinsuffizienz – ausgelöst zum Beispiel durch einen Herzinfarkt – kommt es meist zu einem lebensbedrohlichen Lungenödem, das ist eine Wasseransammlung in der Lunge, oder einem kardiogenen Schock, ausgelöst durch das Pumpversagen des Herzens. In vielen Fällen treten sogar beide Situationen auf. Ärztliche Behandlung ist in jedem Fall ein Muss.2

Das Herz kann weniger Blut aufnehmen oder schafft es nicht mehr, genügend sauerstoffreiches Blut in den Körper zu pumpen. Das Blut kann sich daher bis in die Lunge stauen, der entstehende Druck presst Wasseranteile ins Lungengewebe – ein Lungenödem entsteht. In der Folge gelangt nicht mehr genügend Sauerstoff ins Blut, die Organe werden unterversorgt. Nierenversagen, Leberstörungen oder ein Bewusstseinsverlust können dadurch entstehen. Im schlimmsten Fall bricht die Lungenfunktion fast vollständig zusammen.2

Essenzielles Zusammenspiel

In einem Kreislauf ist die Arbeit des einen Bedingung für jene des anderen. Eine Erkrankung der Lunge kann daher zu lebensbedrohlichen Belastungen für Herz und Kreislauf führen. Zum Beispiel, wenn sich die Blutgefäße in der Lunge verengen und der Blutfluss erschwert wird. Die Folgen: Der Blutdruck im Lungenkreislauf steigt und das Herz ist gezwungen, gegen den erhöhten Druck anzupumpen. Mediziner:innen sprechen dann von Lungenhochdruck oder pulmonaler Hypertonie. Besonders oft leiden COPD-Patienten auch unter Herzproblemen, die auf einen Druckanstieg im Lungenkreislauf zurückgehen. Umgekehrt machen manche Herzerkrankungen der Lunge zu schaffen. Atemnot muss nicht immer auf ein Lungenproblem hinweisen, sondern kann auch Symptom einer Herzschwäche sein.3