Atemnot und ihre Folgen
02.11.2022

Dass das Ringen nach Luft und längerfristige Atemnot die Lunge schädigen kann, liegt auf der Hand. Doch auch andere Organe können Schäden davontragen.

Es macht Angst, ist beklemmend und nicht ungefährlich. Atemnot – fachsprachlich Dyspnoe – kann viele verschiedene Ursachen haben und lebensbedrohlich sein. Gesunde Erwachsene atmen etwa 15- bis 20-mal pro Minute ein und aus. Pro Tag sind es etwa 30.000 Atemzüge. Emotionale Faktoren wie Angstattacken, Erschrecken, aufwallender Zorn oder freudige Überraschung schlagen sofort auf die Atmung durch: Sie kann kurz, aber heftig zulegen - die so genannte Hyperventilation -, oder der Atem kommt ins Stocken. Haltung, Körperlage, Körperbau, aber vor allem verschiedene Erkrankungen können die Atmung ungünstig beeinflussen.1

Obwohl Atemnot als Empfindung nicht messbar ist, existiert eine Skala, nach der Atembeschwerden verschiedenen Schweregraden zugeordnet werden. Sie reicht von Grad 0 (Beschwerden nur bei starker körperlicher Belastung) bis Grad 4 (Atemnot in Ruhe). Tritt die Atemnot nur bei Anstrengung auf, spricht man von einer Belastungsdyspnoe, zeigt sie sich auch in Ruhe, handelt es sich um eine Ruhedyspnoe. Eine Orthopnoe liegt vor, wenn die Beschwerden nur durch aufrechtes Sitzen zu ertragen sind. Das Gefühl der Kurzatmigkeit entsteht vor allem dann, wenn die Atmung stark beschleunigt ist.3

Atemnot gegen Sauerstoffmangel

Etwa 25 Prozent der ambulant versorgten Patient:innen sind wegen Atemnot (Dyspnoe) in ärztlicher Behandlung. Herz- und Atemwegserkrankungen, die meist von Dyspnoe begleitet werden, sind oft die Ursache.1 Andere Gründe können Muskelerkrankung, Blutarmut, Verletzungen oder auch Tumore sein.2 Bekommt der Körper tatsächlich zu wenig Luft, kommen die chemischen Prozesse, die zur Energiegewinnung erforderlich sind, ohne Sauerstoff rasch zum Erliegen. So ist das Gehirn, das einen besonders hohen Sauerstoffbedarf hat, bereits drei Minuten nach Atemstillstand von bleibenden Schäden bedroht. Um dies zu verhindern, hat die Evolution eine elementare, lebensrettende Empfindung entwickelt – eben die Atemnot.4

Die ersten Anzeichen eines chronischen Sauerstoffmangels sind meist Müdigkeit, Abgeschlagenheit und ein Abfall der körperlichen Leistungsfähigkeit. Bei einer schweren Unterversorgung führen schon geringe Belastungen zu Luftnot und Erschöpfung. Wenn Lungenpatient:innen unter chronischem Sauerstoffmangel (Hypoxämie) leiden, ist die Lösung in vielen Fällen eine Langzeit-Sauerstofftherapie oder LTOT, also die Gabe von Sauerstoff über mindestens 16 Stunden täglich. Hypoxämie kann nämlich bestehende Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen weiter beeinträchtigen. Zudem kann der Versuch des Körpers, den Sauerstoffmangel zu kompensieren, zu Lungenhochdruck führen. Der Körper kann vermehrt rote Blutkörperchen bilden, was jedoch die Fließeigenschaften des Blutes verschlechtert und den Sauerstofftransport zusätzlich behindert.5 In jedem Fall können bei chronischer Hypoxämie wichtige Organe unterversorgt werden. Das Gehirn reagiert zunächst mit Schwindel, Flimmern vor den Augen, Denk- und Orientierungsstörungen, später können Krämpfe und Bewusstlosigkeit sowie Hirnschäden entstehen. Das Herz reagiert mit Herzrhythmusstörungen, später mit Leistungseinbußen mit Atemnot und Lungenödem.6