Antientzündliche und antiallergische Wirkstoffe
06.09.2022

Chronische Entzündungen der Atemwege spielen bei Lungenerkrankungen wie Asthma, COPD, Lungenfibrose oder Allergien eine große Rolle. 

Antientzündliche und antiallergische Wirkstoffe verhindern nicht jede Entzündungsreaktion der Atemwege, aber sie können sie abschwächen oder unterdrücken. Zu den wichtigsten und am häufigsten eingesetzten antientzündlichen Wirkstoffen gehören Glukokortikoide, synthetische Formen des körpereigenen Hormons Cortisol.1 

Glukokortikoide 

Antientzündliche und antiallergische Wirkstoffe greifen an verschiedenen Stellen in die chronisch-entzündliche bzw. allergische Reaktion ein. Das in der Nebennierenrinde von gesunden Menschen produzierte Hormon Cortisol ist für den Menschen unverzichtbar, denn es greift in verschiedene Stoffwechselprozesse ein. So aktiviert es im Körper gespeicherte Energiereserven, erhöht den Blutzuckerspiegel und fördert die Freisetzung von Fett und den Proteinumsatz. Cortisol beeinflusst außerdem den Wasser- und Elektrolythaushalt, den Knochenstoffwechsel, das Herz-Kreislauf-System, das zentrale Nervensystem, die Blutbildung und das Wachstum.1 

Ob Cortisol, Cortison, Glukokortikoide oder Corticosteroide, all diese oft synonym verwandten Begriffe leiten sich vom gleichen Wort ab, dem lateinischen Cortex. Es bedeutet Rinde und steht somit für den physiologischen Herstellungsort dieser Klasse von Steroidhormonen: die Nebennierenrinde. Glukokortikoide dämpfen die körpereigene Abwehr und schwächen bzw. unterdrücken Entzündungsreaktionen. Daher werden sie bei Lungenerkrankungen eingesetzt, die mit Entzündungen einhergehen: bei Asthma bronchiale, COPD, Sarkoidose, Allergien oder idiopathischer Lungenfibrose.1 

Werden die Medikamente inhaliert, hat die Glukokortikoidtherapie kaum Nebenwirkungen. Bei einer systemischen Behandlung mit Tabletten oder Spritzen ist eine genaue Beobachtung der Reaktionen erforderlich. Zu den Nebenwirkungen, die normale Reaktionen auf den künstlich verstärkten Cortisoleffekt darstellen, gehören zum Beispiel eine Erhöhung der Blutzucker- und Blutfettwerte, Gewichtszunahme und Wassereinlagerungen im Gewebe, Stimmungsveränderungen, Wundheilungsstörungen, eine Verdünnung der Haut oder bei Kindern Wachstumsstörungen. Daher wird grundsätzlich die geringstmögliche Medikamentendosis eingesetzt.1 

Weitere Wirkstoffe 

Zu den antientzündlichen Wirkstoffen gehören auch Cromone wie Cromoglicinsäure und Nedocromil-Natrium, sogenannte Mastzellstabilisatoren. Sie haben einen schwächeren entzündungshemmenden Effekt als Glukokortikoide. Sie werden ausschließlich topisch eingesetzt, jedoch nicht bei Asthma, und müssen mehrmals täglich eingenommen werden. Sie gelten als gut verträglich und nebenwirkungsarm. Ein weiterer Entzündungsmediator sind Leukotrien-Antagonisten, die vor allem bei allergischer Rhinitis und Asthma Anwendung finden. PDE-(4) Hemmer basieren auf dem Enzym Phosphodiesterase (PDE) und werden in der COPD-Therapie eingesetzt. Vor allem bei Allergien kommen Antihistaminika zur Anwendung. Omalizumab ist ein Antikörper, der Botenstoffe blockiert und überschießende allergische Reaktionen dämpfen kann. Bei neuen Entwicklungen antientzündlicher Therapien spielt die personalisierte Medizin eine große Rolle. Der Fokus liegt hier meist auf Antikörpern.1