Wodurch wird der Alpha-1-Antitrypsin-Mangel verursacht?

Die Erbkrankheit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel wird autosomal-kodominant auf Chromosom 14 vererbt. Abhängig davon, ob der Gendefekt einfach (heterozygot) oder doppelt (homozygot) vorhanden ist, tritt er in unterschiedlichen Ausprägungen in Erscheinung.

Verminderter Schutz für die Lungenbläschen

Die erbliche bedingte Genmutation führt dazu, dass die Leberzellen das Schutzeiweiß Alpha-1-Antitrypsin (AAT) entweder nur fehlerhaft oder zwar funktionsfähig, aber in zu geringen Mengen bilden oder freisetzen. AAT hat die Aufgabe, die Lungenbläschen vor Proteasen, wie der neutrophilen Elastase, zu schützen. Dieses Eiweißabbauende Enzym ist Teil der Immunabwehr und normalerweise dafür verantwortlich, körperfremde Substanzen und Krankheitserreger abzubauen. Das können zum Beispiel Rauch, schädigende Gase und Staub, aber auch Mikroorganismen, wie Viren und Bakterien sein, die mit der Atemluft in die Lunge gelangen.

Ist das Schutzprotein Alpha-1-Antitrypsin nicht in ausreichendem Maße vorhanden, greift die Elastase nicht nur Fremdkörper und Bakterien an, sondern schädigt auch die Wände der Lungenbläschen. Deren Elastizität geht verloren, sodass sie bei jedem Ausatmen wie schlaffe Säcke in sich zusammenfallen. Bei schwerem Alpha-1 zerstört die unkontrolliert agierende Elastase zunehmend das Lungengewebe. Dadurch kann sich, insbesondere bei starken Rauchern, schon vor dem 35. Lebensjahr ein Lungenemphysem ausbilden. Liegt der AAT-Spiegel im Blutserum dauerhaft unter 35 Prozent des Normalwerts (weniger als 80 mg/dl), kann der Alpha-1-Antitrypsin-Mangel in Lunge oder Leber, seltener auch auf der Haut oder in weiteren Organen, zutage treten.

Geringere Lebenserwartung bei Rauchern

Personen, bei denen der Gendefekt in einfacher Ausführung vorliegt, haben ein deutlich geringeres Erkrankungsrisiko als Menschen, bei denen er von beiden Elternteilen vererbt wurde. Eine relevante Gefährdung besteht bei dieser Patientengruppe wahrscheinlich nur dann, wenn sie starke Raucher sind. Grundsätzlich gilt für alle Betroffenen, das Rauchen unbedingt zu unterlassen, da der Tabakrauch die Zerstörung der Lungenbläschen zusätzlich vorantreibt. Er beeinträchtigt das Selbstreinigungssystem der Atemwege, lässt noch vorhandene Schutzeiweiße unwirksam werden und reduziert die Wirksamkeit von Medikamenten wie dem Alpha-1-Proteinase-Inhibitor bei der Substitutionstherapie.

Bei rauchenden Patienten, auch bei Passivrauchern, treten die ersten Symptome des Alpha-1-Antitrypsin-Mangels etwa zehn Jahre früher auf als bei Personen, die sich von Rauch fernhalten. Auch andere Luftschadstoffe können eine Verschlechterung der Lungenfunktion bewirken. Infektionen der Atemwege sind ebenfalls ein Risikofaktor und sollten daher so weit als möglich verhindert werden.

Quellen: www.alpha-1-center.de, www.lungenaerzte-im-netz.de

Meistgelesen

Meistgelesen 1
Was kann ich tun?
Atemtechniken
Meistgelesen 2
Alpha-1
Alpha-1 Selbsttest
Meistgelesen 3
COPD
Symptome
Meistgelesen 4
Was kann ich tun?
Peak Flow messen